Ich gehe in die Arbeit und nehme mit .... meine Kinder

Gedanken Feb. 01, 2020

Vor einiger Zeit habe ich Diskussionen mitverfolgt, ob Hunde in das Büro mitgenommen werden dürfen oder nicht. Ich habe aber noch von keiner Diskussion darüber gelesen oder gehört, ob Kinder mit in das Büro mitgenommen werden dürfen. Ich rede jetzt nicht davon, sie "mal" und "ausnahmsweise" mitzunehmen. Ich lade dich ein, dir den Gedanken durch den Kopf gehen zu lassen, die Kinder häufiger oder sogar regelmäßig an einzelnen Tagen mit ins Büro zu nehmen. Lass uns den Gedanken weiterspinnen: Wie würden deine Kollegen darauf reagieren, wenn du deine Kinder in die Vorstands- oder Geschäftsführersitzung mitnehmen würdest? Wie würde sich deine Arbeitsweise, dein Auftreten verändern?
Ich selbst bin so daran gewöhnt, Berufliches strikt von Privatem zu trennen, dass diese Idee auch mir total abwegig erscheint.

Vor einigen Jahren stellte mein vorheriger Arbeitgeber einige "Elternbüros" zur Verfügung: für Notfälle. Damals hatte sich für mich der Sinn nicht erschlossen. Es war ein positives Zeichen des Arbeitgebers für alle Eltern. Aber der Anwendungsfall war für mich zu fiktiv. Kranke Kinder lasse ich natürlich zu Hause. Wenn ich in das extra Elternbüro wechsle, werde ich ja aus meinem normalen Arbeitsumfeld gerissen. Und: ich gehe gerne in die Arbeit und genieße es da vor allem meine "Ruhe" zu haben. Meine Kinder würden mich in der Arbeit stressen. Ich hätte Angst, dass sie stören und zu unpassendsten Gelegenheiten laut meine Aufmerksamkeit einfordern. Ich würde mich nicht ausreichend produktiv fühlen.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird aktuell hauptsächlich durch flexible oder reduzierte Arbeitszeiten ermöglicht. So gibt es bereits neue Ansätze zur allgemeinen Reduktion von Arbeitszeiten aller Mitarbeiter. Einige wenige Unternehmen haben bereits begonnen, die Wochenarbeitszeit bei gleichbleibender Produktivität auf eine 25-Stunden Woche zu senken. In den meisten anderen Unternehmen bedeutet Teilzeit-Arbeit jedoch immer noch Stillstand für die berufliche Weiterentwicklung. Wenn ich den Anteil der Teilzeitbeschäftigten in Deutschland betrachte (22 % Frauen und 6 % Männer), ist es auch klar, welche Auswirkungen das auf die Gleichberechtigung von Männern und Frauen im Beruf hat. Der Frauenanteil in den Führungsspitzen der deutschen Konzerne liegt bei 9,3 %. Der Frauenanteil im Deutschen Bundestag liegt im Vergleich dazu bei hohen 31,2 %. Auf Kommunalebene schauen die Zahlen wieder magerer aus: 25 % Frauen in kommunalen Vertretungen und 10 % Bürgermeisterinnen.

Ich möchte mich nicht zwischen meiner Familie oder meinem Beruf entscheiden. Es gibt einfach Zeiten, in denen unsere Kinder uns Eltern mehr brauchen, unabhängig davon, ob sie normalerweise im Kindergarten oder in der Schülerbetreuung sind. Es gibt auch Zeiten, in denen ich meine Kinder mehr brauche: sie wecken in mir Kreativität, ermöglichen mir neue Perspektiven und Lösungen. Sie schärfen meinen Blick auf das Wesentliche. Gleichzeitig erfüllt mich auch mein Beruf.


Wenn wir ernsthaft über Gleichberechtigung sowie Vereinbarkeit von Familie und Beruf sprechen, dann sollte es in der heutigen Zeit daher auch zur Normalität werden, dass Kinder an unserer Seite sind. Es muss ja nicht gerade zur Vorstandssitzung oder zum Kundentermin sein. Ich fange einfach mit einzelnen Terminen an, wie z. B. Videokonferenzen, Schulungen, Kongresse und Tagungen, sonstige Veranstaltungen. So haben wir für das Barcamp in Ebersberg (barcamp-ebe.de) eine Spiel- und Malecke eingeplant. Obwohl ich sicherlich voll mit der Organisation eingespannt sein werde, werden unsere Kinder auch mitkommen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Wer macht mit?

Lakhena Leng

Mutter. Partnerin. Freundin. Geschäftsführerin. Expertin. Coach. GRÜNE Ebersberg. Stadt- und Kreisrätin ab Mai 2020. Weitere Webseiten: konmatik.de, barcamp-ebe.de