Tom & die Windräder im Forst: Teil 1 - Erstes Gespräch

Gedanken Feb. 25, 2021

Bei der Erziehung unserer Kinder ist es uns wichtig, dass sie sich eine eigene Meinung bilden können und Informationen kritisch hinterfragen. Nun, da wir auch im Alltag unterschiedliche Schlüsse ziehen,  obwohl es oft genug klar sein müsste, dass wir Eltern Recht haben: ich mache mir keine Sorgen, dass wir ihn zu diesem Thema irgendwie beeinflussen könnten. Welche Meinung hat also unser Großer (7 Jahre alt) zu den Windrädern im Forst? Spoiler: aktuell noch keine. Denn er hat sich mit unterschiedlichen Umweltthemen auseinandergesetzt, sie aber natürlich noch nie miteinander komplett im Gesamtkontext betrachtet.

Unsere Herausforderung für die kommenden Wochen ist, unser Kind neutral zu informieren und zu befragen. Vielleicht erfahren wir noch vor der Wahl, welche Entscheidung er treffen würde. Warnung an alle, die zielorientierte Erzählungen bevorzugen: Es besteht das Risiko, dass unsere Gespräche Zick-Zack laufen, dass wir vielleicht über komplett andere Themen sprechen UND wir mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein werden.

Tom1 (7) hat schon vor längerer Zeit bei Sendung mit der Maus alle Folgen zum Thema Umwelt gesehen. Dazu habe ich ihm noch das Video zur Atomkraft gezeigt.

Ich: "Du hast dir doch die ganzen Videos angeschaut, erinnerst du dich?"
Tom: "Welche?"
Ich: "Na die von der Sendung mit der Maus."
Tom: "Das mit dem Windrad."
Ich: "Was noch?"
Tom: "Etwas mit einer Riesensäge."
Ich: "Die ganzen Umweltthemen, Tom."
Tom: "Windräder, Solarzellen. Man kann mit Sand Solarzellen bauen. Ja das kann man wirklich!"
Ich: "Wie kann man denn noch Strom erzeugen?"
Tom: "In ein besonderes Fahrrad treten?"
Ich: "Und was noch?"
<<Stille>
Ich: "Ich hatte dir doch noch nebenbei das Video mit den Atomkraftwerken gezeigt."
Tom: "Hilfe, Umweltverschmutzung!" (Schreit dazu theatralisch).
Ich: "Hatten die das so erklärt?"
Tom: "Da kommen doch so welche Rauchdinger raus oder?" Der Papa ruft schmunzelnd rein: "Das ist Wasserdampf."
Ich: "Was hast du denn gelernt, wofür brauchen wir überhaupt Strom?"
Tom: "Elektroautos, Computer."
Ich: "Was noch?"
Tom: "Telefon, Fernsehen, Uhren.. Ähm… So welche Hörboxen brauchen Strom. Wars das?"
Ich: "Weiß ich nicht, das ist ja keine Abfrage, wie in der Schule. Ich möchte nur hören, was du denkst."
Tom: "Noch für Steckdosen, damit wir Dinge laden können."
Ich: "Und… meinst du, wir kommen ohne Strom klar?" Ok, mir ist eine Suggestivfrage rausgerutscht.
Tom (denkt lange nach): "Mit Kerzen vielleicht?" Da habe ich mir wohl unnötig Gedanken gemacht, Suggestivfragen wirken bei ihm noch nicht.

Tom: "Mama, wofür brauchen wir nachts eigentlich Strom?"

Ich bin mir nicht sicher, ob wir es rechtzeitig bis zum Bürgerentscheid schaffen werden, die Meinung unseres Großen zu den Windrädern im Forst zu erfahren.

1Name wurde verändert

Lakhena Leng

Mutter. Partnerin. Freundin. Geschäftsführerin. Expertin. Coach. GRÜNE Ebersberg. Stadt- & Kreisrätin. 3. Bürgermeisterin Ebersberg. Weitere Webseiten: konmatik.de, barcamp-ebe.de